Was versteht man unter dem Begriff kulanter Kredit?

Eine eindeutige Definition zu dem kulanter Kredit existiert nicht. Stattdessen bezeichnen Banken und Kreditnehmer die Kreditvergabe als kulant, wenn diese trotz Bedenken hinsichtlich des Ausfallrisikos erfolgt. Tatsächlich erhöhen die Geldinstitute in derartigen Fällen jedoch den Zinssatz gegenüber einem als risikoarm angesehenen Kredit. Sie lassen sich damit ihre scheinbare Kulanz vom Kreditnehmer bezahlen. Das derartige Verhalten ist akzeptabel und folgt sogar den Richtlinien zur Kreditvergabe in der EU. Diese verbieten die Auszahlung beantragter Kredite keineswegs in allen kritischen Fällen. Die Richtlinien verlangen aber eine an das Ausfallrisiko angepasste Hinterlegung mit Eigenkapital.

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Kulanz bei der Kreditvergabe

Als kulanter Kredit lässt sich jede Kreditvergabe mit eingeschränkter Rückzahlungssicherheit ansehen. Das trifft auf einen Kredit zu, den ein Arbeitnehmer mit befristetem Arbeitsvertrag beantragt und dessen Laufzeit später als das gesicherte Arbeitsverhältnis endet. Einzelne Banken vergeben in diesem Fall den gewünschten Kredit. Sie gehen davon aus, dass ohne spezielle Begründung befristete Arbeitsverträge in den meisten Fällen verlängert werden. Des Weiteren schützt die Befristung den Arbeitnehmer vor der betriebsbedingten Kündigung während der aktuellen Vertragslaufzeit. Auch Darlehen, bei deren Haushaltsrechnung die Bank nicht gesicherte, aber gegenwärtig regelmäßig vom Kreditantragsteller erzielte Nebeneinkünfte berücksichtigt, können als kulante Kredite eingestuft werden. Diese Einstufung lässt sich auch auf die Anrechnung von Nebeneinkünften beziehen.

Bei einem Schweizer Kredit ohne Schufa zeigt sich anhand des hohen Zinssatzes deutlich, dass die Kreditvergabe weniger aus Kulanz als vielmehr aus der Erwartung eines positiven wirtschaftlichen Ergebnisses erfolgt. Die Banken gehen davon aus, dass die Zinseinnahmen die einkalkulierten Zahlungsausfälle ausgleichen. Das trifft auch auf die inländischen Geldinstitute zu, die Kredite trotz eines negativen Schufa-Eintrages vergeben.

Kulanz bei bestehenden Krediten

Häufiger als die Kreditvergabe aus Kulanz erfolgt die Umwandlung bestehender klassischer Darlehen in kulante Kredite. Eine solche geschieht regelmäßig, wenn die Bank auf ihr Kündigungsrecht aufgrund hoher Außenstände verzichtet. Des Weiteren stellt die Veränderung einer getroffenen Rückzahlungsvereinbarung eine Kulanzentscheidung der Bank dar, sofern der Kreditvertrag das Recht zu einer solchen nicht ausdrücklich beinhaltet. Für den Kreditnehmer ist es in jedem Fall günstiger, einen Kreditvertrag mit dem ausdrücklichen Recht zur Änderung des Rückzahlungsplans abzuschließen als auf eine eventuelle Kulanz der Bank zu hoffen.

Nicht zu den kulanten Bankkrediten zu rechnen sind Kredite, bei denen der Kunde eine ihm vertraglich festgelegte Ratenpause nutzt. In diesem Fall macht er lediglich von einem vertragsgemäßen Recht Gebrauch und ist nicht auf die Zustimmung des Kreditgebers angewiesen. Dass Banken sich bei nicht ordnungsgemäßer Rückzahlung kulant verhalten, liegt oftmals auch in deren Interesse. Während der Kunde den Bankkredit bei einer veränderten Rückzahlungsvereinbarung voraussichtlich zu den neuen Bedingungen bedienen kann, führt eine Verweigerung der gewünschten Anpassung oftmals zu einer Kreditkündigung und in deren Folge zu einem teilweisen Forderungsausfall.

Duldung höherer als der vereinbarten Sollsalden als Sonderform des kulanten Kredites

Die Duldung der Überziehung eines Kreditkartensaldos oder des Dispositionsrahmens für das Girokonto stellt eine Sonderform des kulanten Kredites dar. Für den Bankkunden ist sie jedoch problematisch, da er zumeist nicht vorhersagen kann, bei welchem Negativsaldo die Kulanz der Bank endet. Ausgesprochen wenige Geldinstitute haben einen Überziehungsbetrag veröffentlicht, den sie für einen ebenfalls von ihnen angegebenen Zeitraum aus Kulanz generell dulden.