Was ist die europäische Wohnimmobilienkreditrichtlinie?

Im März 2016 wurde eine Vorgabe der Europäischen Kommission, die Vergabe von Krediten an Private für Wohnimmobilien zur Eigennutzung betreffend, in deutsches Recht umgesetzt. Diese Vorgabe nennt man europäische Wohnimmobilienkreditrichtlinie. Ausgangspunkt für diese Gesetzesinitiative war vor allem die spanische “Immobilienblase”. In Spanien war nach jahrelanger, politisch durchaus gewollter Kreditvergabe an praktisch Jeden, der Markt für Wohnimmobilien zusammengebrochen. Die Folge waren eine unübersehbare Zahl von Zwangsversteigerungen und Bankenschieflagen. Man nahm dies zum Anlass europaweit gültige Normen zu schaffen. Diese Normen fielen in Deutschland nach der Umsetzung in nationales Recht noch schärfer als im Rest Europas aus. Jetzt, nur zwei Jahre nach der Einführung, muss die europäische Wohnimmobilienkreditrichtlinie nach allgemeiner Ansicht dringend nachgebessert werden.

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Was verlangt die europäische Wohnimmobilienkreditrichtlinie in der deutschen Version?

Zunächst müssen die Banken die Kunden ausführlich beraten. Die Kunden haben ein Widerrufsrecht für Darlehensverträge, die den Regeln der europäischen Wohnimmobilienkreditrichtline nicht entsprechen. Bei Falschberatung kann eine Haftungssituation der Bank entstehen. Kreditvermittler müssen die Erlaubnis zur Vergabe von Verbraucherdarlehen haben. Bestand bisher die Bonitätsprüfung des Kunden im Wesentlichen darin, die gegenwärtige finanzielle Situation des Kreditnehmers auf die Fähigkeit hin zu prüfen, seine Verpflichtungen zu bedienen, so muss die Bank nun die künftige Einkommensentwicklung bis hin zur Rentenauskunft einschätzen.

Die Folgen der europäischen Wohnimmobilienkreditrichtlinie

War bis jetzt die Darlehenshöhe durch den wahrscheinlichen Wiederverkaufs- bzw. Versteigerungserlös begrenzt, so sind jetzt Ratenhöhe und Laufzeit die wichtigtsten Kriterien. Da eine kürzere Laufzeit durch die höhere Tilgung zwangsläufig zu höheren Kreditraten führt, beschränkt dies das mögliche Finanzierungsvolumen. Die verlangte Eigenkapitalquote erhöht sich daher, was viele von vornherein vom Immobilienerwerb ausschließt.

Für die Mehrzahl der Rentner ist der Erwerb einer Wohnimmobilie unmöglich geworden, sofern nicht Einkommen neben der Rente bestehen. Es gibt auch keine Sonderregelung für den Fall, dass die langjährig bewohnte Wohnung in Wohnungseigentum umgewandelt wird.

Die europäische Wohnimmobilienkreditrichtlinie kommt auch zur Anwendung bei einer Anschlußfinanzierung, wenn im Erstvertrag dafür keine Regelung getroffen worden ist, was dann zur Verwertung der Immobilie durch den Kreditgeber führen kann, wenn sich die persönliche Situation des Kreditnehmers verschlechtert hat.