Was ist Crowdlending?

Der Begriff Crowdlending setzt sich aus zwei Worten zusammen. „Crowd“ bezeichnet eine Gruppe von Menschen und „Lending“ kann mit Verleihung oder Kreditvergabe übersetzt werden. In diesem Kontext bezieht steht das Wort „Crowd“ allerdings stellvertretend für Privatpersonen. Beim Crowdlending wird der Kredit also von einer Gruppe von Privatpersonen an einen Kreditnehmer vergeben, anstatt von einem Kreditinstitut.

Der Kredit wird dabei über eine Plattform im Internet vermittelt. Crowdlending wird auch Lending-based-crowdfunding bezeichnet. Somit gehört das Crowdlending zu den crowdbasierten Verfahren, zu denen auch das Crowdsourcing, Crowdfunding, Crowdinvesting und Crowdfincance gehören.

Die Anfänge des Crowdlending findet man bereits in den Jahren 2006 bis 2007 in Großbritannien. Die ersten Kreditplattformen waren gezielt auf Endkonsumenten abgestimmt. Inzwischen hat sich diese Idee der Finanzierung in vielfältiger Weise verbreitet. Heute wird das Crowdlending von Privatpersonen und Unternehmen genutzt. Es wird ein breites Spektrum an Produkten und Dienstleistungen finanziert.  Sowohl in Deutschland, als auch international wächst das Crowdlending Geschäft sehr stark. Man geht davon aus, dass sich das Kreditvolumen, dass über Crowdlending Plattformen vergeben wird, sich jedes Jahr nahezu verdoppelt.

Die Kreditgeber, auch Investoren genannt, können Privatpersonen, Selbständige, Unternehmer oder Banken sein. Die Kreditsumme wird unter den Kreditgebern frei aufgeteilt. Die Vergabe und Abwicklung des Crowdlending erfolgt über eine Internetplattform, die von einer Firma betrieben wird. Diese Firmen arbeiten mit einer Partnerbank zusammen, die alle Geldtransaktionen durchführt.

Auf der Basis der eingegebenen Daten und Unterlagen wird die Bonität des Antragstellers ermittelt und die die Risikoklasse bestimmt. Ist die Bonität des Antragsstellers zu niedrig und wird das Risiko als zu hoch eingeschätzt, dann wird der Antrag abgelehnt. Wir der Antrag von der Plattform angenommen, dann wird der Kreditantrag zusammen mit der Projektbeschreibung und den Kreditkonditionen (Kreditbetrag, Laufzeit und Mindestzinshöhe) auf der Plattform veröffentlicht.

Die potentiellen Kreditgeber, die auch als Investoren bezeichnet werden, können sich dann mit einem Betrag, den sie selbst festlegen, an dem Kredit beteiligen. Wenn sich genügend Kreditgeber gefunden haben, dann kann der Kredit an den Antragsteller ausgezahlt werden.

Crowdlending als Alternative zum Bankwesen

Wie bereits erwähnt, sind die Banken an der Kreditvergabe nicht beteiligt, denn die Bereitstellung von Kapital erfolgt durch Privatpersonen. Allerdings könnte sich eine Bank durchaus als Investor an dem Verfahren beteiligen, da sich theoretisch jeder an dem Crowdlendingverfahren beteiligen kann. Als Kreditgeber können sowohl Privatpersonen, Unternehmen, Selbständige und auch Banken fungieren.

Grundsätzlich ist die Vergabe von Krediten durch eine Bank an die bestehenden Gesetze und bestimmte Auflagen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (kurz BAFIN genannt) gebunden. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht gehört zum Finanzministerium. Kredite mit einer bestimmten Höhe müssen über ein spezielles Verfahren monatlich an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht gemeldet werden. An diese Vorgaben sind die privaten Kreditgeber zunächst einmal nicht gebunden.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht achtet sicher sehr genau, wie sich der FinTech Markt entwickelt. Der Begriff FinTech steht für Financial Technology und. Die crowdbasierten wie Crowdlending, Crowdinvesting und Crowdfunding gehören zu den FinTech-Verfahren.

Die Vergabe von Krediten durch eine Bank erfolgt nach strengen Regeln. Die Bank hat nur einen sehr engen Entscheidungsspielraum. Kreditentscheidungen ziehen sich oft über mehrere Wochen hin und werden nicht selten bei fehlenden Sicherheiten abgelehnt.

Beim Crowdlending entscheidet die Schwarmintelligenz darüber, ob der Kredit an den Antragsteller vergeben wird. Durch die teilautomatisierten Verfahren wird über die Vergabe des Kredites innerhalb weniger Tage entschieden. Die Risikobereitschaft bei der Vergabe von Krediten über das Crowdlending ist höher, als bei der Kreditvergabe durch die Bank. Somit allerdings verbunden mit einem höheren Zinssatz.

Vorteil von Crowdlending für Anleger

Für den Anleger ergeben sich eine Reihe von Vorteilen. Er kann sich am Crowdlending mit einem relativ geringen Betrag beteiligen. Der Mindestbetrag liegt bei einigen Plattformen bei 25 Euro. Und das Kreditrisiko wird mit einem hohen Zinssatz ausgeglichen. Durch den relativen geringen Mindestbeitrag kann sich fast jeder Anleger am Crowdlending beteiligen.

Für Anleger ergibt sich so eine Chance auf gute Renditen. Allerdings spiegeln diese höheren Renditen auch ein höheres zugrunde liegendes Ausfallrisiko wieder. Berichten zufolge liegt das Kreditausfallrisiko bei ca. 3%.  Anleger sind deshalb gut beraten, nicht alles auf eine Karte (sprich auf einen einzigen Kredit) zu setzen, sondern das Anlagerisiko zu streuen. Durch die Verteilung des investierten Betrages auf mehrere Kreditverträge mit unterschiedlichen Risikoklassen kann das Kreditausfallrisiko reduziert werden.

Ein sehr wichtiger Punkt ist die Schwarmintelligenz. Bei dem Crowdlending entscheiden sich mehrere Menschen unabhängig voneinander dazu, sich an dem Kredit zu beteiligen. Auch wenn ein einzelner Mensch den Kreditantrag falsch bewertet, so wird es in der Summe doch zu einer validen Entscheidung kommen.

  • Wird die beantragte Kreditsumme nicht erreicht, dann haben sich nicht genügend Menschen für eine Vergabe entschieden und der Kredit wird nicht vergeben. Die Schwarmintelligenz hat sich gegen eine Vergabe ausgesprochen.
  • Wird die beantragte Kreditsumme erreicht, dann haben sich viele Menschen für eine Vergabe entschieden und der Kredit wird vergeben. Die Schwarmintelligenz hat sich für eine Vergabe ausgesprochen.

Nicht der Einzelne trifft die Entscheidung über die Kreditvergabe, sondern die Gesamtheit aller Investoren, die sich auf der Plattform befinden.

Beispiele dafür, dass die Schwarmintelligenz funktioniert, findet man viele. So konnte zu Beispiel ein Saal voller Menschen mit Hilfe von Schwarmintelligenz ein Flugzeug landen. Auch das Gewicht eines Bullen konnte bei einer Auktion in England bis auf wenige Kilogramm genau geschätzt werden. Kleine Fische in einem Schwarm, Bienen und Ameisen verbringen mit Hilfe der Schwarmintelligenz hervorragende Leistungen, die weit über die Intelligenz des einzelnen Individuums hinaus geht.

Crowdlending für Kreditsuchende

Für den Kreditsuchenden bietet das Crowdlending ebenfalls einige Vorteile. Er gibt seinen Kreditwunsch bei einem der bekannten Internetplattformen ein, zusammen mit den erforderlichen Unterlagen. Die Eingabemasken sind so aufgebaut, dass die Eingabe der Daten einfach von statten geht. Danach erfolgt die Bonitätsprüfung durch den Betreiber der Plattform. Diese Prüfung wird durch teilautomatisierte Prozesse unterstützt. Werden die Mindestanforderungen erreicht, dann wird der Kreditwunsch zusammen mit der Kreditsumme, den Raten, der Laufzeit und dem Mindestzinssatz veröffentlicht.

Die Kreditgeber entscheiden jetzt, ob sie sich an dem Kredit beteiligen möchten und mit welchem Betrag. Während die Banken festen Regeln bei der Kreditvergabe folgen, bewerten die potentiellen privaten Kreditgeber eigenen Regeln bei der Bewertung des Kreditantrages. Kredite, die über das Crowdlending vergeben werden, können durchaus mit einem höheren Risiko verbunden sein. Finanzinstitute gehen bei der Vergabe der Kredite sehr viel restriktiver vor und benötigen viel mehr Zeit für die Entscheidung.

Die Vergabe der Kredite ist relativ unkompliziert und mit geringerem Aufwand verbunden, als die Beantragung eines Kredites über eine Bank. Die Prüfung der Kreditanträge durch die Plattform erfolgt relativ schnell, meist innerhalb von 48 Stunden. Bei kleineren Krediten im 3stelligen Bereich kann die Entscheidung sehr schnell getroffen werden.

Das Erfolgsrezept Crowdfinance

Unter dem Begriff Crowdfinance werden Verfahren zusammengefasst, bei der viele einzelne Personen unabhängig voneinander eine Entscheidung treffen. Es handelt sich um sogenannte crowdbasierte Verfahren. Entscheidungen werden von der „Intelligenz der Vielen“ getroffen, die auch als Schwarmintelligenz bezeichnet wird. Dem Begriff Crowdfinance werden die Bereiche Crowdfunding, Crowdinvesting und Crowdlending untergeordnet.

Das Crowdfunding ist die wohl älteste Kategorie der crowdbasierten Verfahren. Zu dem Crowdfunding zählen Spenden und nicht monetäre Gegenleistungen für soziale, ökologische und Entwicklungsprojekte.

Das Crowdinvesting ist eine renditeorientierte Finanzierung, bei der die Investoren eine Beteiligung an einem Start-Up oder einem Unternehmen erhalten.  Mit dem Begriff Mezzanine Kapital oder Mezzanine-Finanzierungen werden Finanzierungsarten beschrieben, die in Ihrer Ausgestaltung zwischen Fremd- und Eigenkapital angesiedelt sind. Bei dieser Finanzierungsart wird dem Unternehmen bilanzielles Eigenkapital zugeführt, ohne dem Kapitalgeber ein Stimmrecht einzuräumen.

Beim Crowdlending handelt es sich um die Vergabe von festverzinsten Krediten an Privatpersonen oder an Unternehmen, die in der Regel unbesichert sind. Die Kreditsumme wird von Investoren aufgebracht.

Risiken des Crowdlending

Die über das Crowdlending vergebenen Kredite können jederzeit ausfallen. Privatpersonen und Unternehmen können Insolvenz anmelden. Wenn die Insolvenzmasse nicht ausreicht, um alle Gläubiger zu bedienen, kann es unter Umständen zu einem Totalausfall für den Kredit kommen.

Die Plattformen, über die das Crowdlending abgewickelt wird, übernehmen keine Haftung für den Kredit. Die Banken, über die die finanziellen Transaktionen abgewickelt werden, übernehmen ebenfalls keine Haftung. Man geht davon aus, dass das Kreditausfallrisiko beim Crowdlending bei ca. 3% liegt.

Die folgenden Risiken können bei dem Crowdlending auftreten:

  • Der Investitionsbetrag des Kreditgebers ist nicht genügend gestreut. Wer nur in wenige Kreditprojekte investiert, läuft Gefahr, sein investiertes Geld durch Kreditausfälle zu verlieren.
  • Das Rating durch die Kreditplattform ist fehlerhaft. Bei der Bonitätsprüfung kann die Risikoklasse falsch eingeschätzt werden. Wird die Risikoklasse zu hoch eingeschätzt, dann wird der Mindestzinssatz für den Kredit ebenfalls zu hoch eingeschätzt. Der Kredit wird für den Antragsteller zu teuer.
  • Der Plattformbetreiber arbeitet nicht wirtschaftlich und die Plattform muss den Betrieb einstellen.
  • Beim Crowdlending mit ausländischen Partnern besteht das Wechselkursrisiko. Bei steigendem oder fallendem Wechselkurs ändern sich die Raten, die für den Kredit zu zahlen sind.
  • Ein weiteres Risiko besteht darin, dass nicht genügend Investoren gefunden werden und der Kredit gar nicht, oder zu spät ausgezahlt werden kann.
  • Kredite, die über Crowdlending Plattformen vergeben werden, unterliegen nicht dem Konsumkreditgesetz. Das Konsumkreditgesetz ist Grundlage von regulären Kreditverträgen und soll den Kreditnehmer vor Überschuldung schützen.
  • Im Laufe der Zeit kann es auch zu Änderungen der bestehenden Gesetze, Richtlinien und Verordnungen kommen.

Geschäftsmodell des Crowdlending

Das Geschäftsmodell des Crowdlending besteht darin, dass der Kreditnehmer auf einer Plattform im Internet eine Kreditanfrage einstellt. Zusammen mit dem Kreditantrag beschreibt er, wozu er das Geld aus dem Kredit verwenden möchte.

Der Betreiber der Plattform prüft die eingereichten Unterlagen und die Bonität des Antragstellers. Bei positiver Prüfung wird die Kreditanfrage veröffentlicht. Nach der Ermittlung der Risikoklasse legt der Betreiber den Zinssatz für den beantragten Kredit fest.

Sobald die Kreditanfrage veröffentlicht ist, können die Investoren sich an dem Kredit beteiligen. Wenn die gewünschte Kreditsumme erreicht ist, kann die Kreditsumme über eine Bank an den Antragsteller ausgezahlt werden.

Kreditanträge für das Crowdlending können von allen natürlichen und juristischen Personen gestellt werden. Dazu zählen:

  • Privatpersonen (Berufstätige, Hausfrauen, Rentner, Beamte)
  • Selbständige und Freiberufler
  • Unternehmen (Kleinunternehmer, Handwerksbetriebe, der Mittelstand und Konzerne)
  • Vereine

Unter den Betreibern der Plattformen für das Crowdlending befinden sich eine Reihe von Unternehmen, die bereits als Vermittler von Krediten einen Namen gemacht haben. Es tauchen aber auch Namen auf der Liste auf, die sich ganz speziell mit den Themen Crowdlending, Crowdfinance, Crowdinvesting und Crowdfunding beschäftigt haben.

Die Gruppe der Investoren kann sich ebenfalls aus Privatpersonen, Unternehmen, Selbständigen und Freiberuflern zusammensetzen. Der Anreiz für die Investoren besteht darin, für Ihren Beitrag eine hohen Rendite zu erwirtschaften, die allerdings mit einem höheren Kreditausfallrisiko einhergeht.

Die Plattformanbieter arbeiten in der Regel mit einer Partnerbank zusammen. Bei der Partnerbank werden die Kreditkonten geführt und alle Zahlungen abgewickelt. Über das Konto der Partnerbank

  • werden die Beiträge der Investoren eingezahlt
  • wird der Kreditbetrag an den Antragsteller ausgezahlt
  • werden die fälligen Raten für den Kredit abgewickelt,
    die dann wieder an die Investoren ausgezahlt werden.

Bei der Vergabe der Kredite spielen die Banken keine Rolle. Weder die Bank, noch der Plattformbetreiber haften bei einem Kreditausfall.

Vorteile des Crowdlending

Das Crowdlending hat gegenüber der Kreditvergabe durch eine Bank mehrere Vorteile. Crowdlending hat sich in den letzten Jahren als zuverlässige Alternative zu den herkömmlichen Bankkrediten etabliert.

  • Die Kreditnehmer erhalten bei diesem Verfahren relativ schnell eine Zusage, ob der Kreditantrag freigeschaltet wird. Diese Zusage erfolgt bei den meisten Plattformbetreibern innerhalb von 48 Stunden. Dies ist möglich, weil die Bewertung der Kreditanfrage in einem stark automatisierten Prozess erfolgt.
  • Die Auszahlung der Kredite kann, sofern genügend Investoren vorhanden sind, innerhalb weniger Tage erfolgen. Dazu werden standardisierte Kreditverträge genutzt. Das Video IDENT Verfahren, dass weniger Zeit als das Post IDENT Verfahren benötigt, trägt ebenfalls zu einer beschleunigten Auszahlung bei.
  • Die Plattformen lassen sich, im Vergleich zu den Banken, mit relativ niedrigen Kosten betreiben. Die Crowdlending Plattformen benötigen keine Filialstrukturen und keinen organisatorischen Überbau, der sich negativ auf die Kostenstruktur auswirkt. Sie nutzen eine effektive IT-Infrastruktur, die beliebig skalierbar ist.
  • Die Plattformen für das Crowdfunding sind jederzeit online zu erreichen, von jedem Punkt der Erde, wo eine Internetverbindung verfügbar ist. Der Antragsteller ist an keine Geschäftszeiten gebunden. Der Austausch von Informationen erfolgt ausschließlich über das Crowdlending Portal.

Die Kategorien des Crowdlending

Crowdlending für Privatpersonen

Die ursprüngliche Idee des Crowdlending bestand darin, die Aufnahme von Krediten auch für diejenigen zu ermöglichen, die keine oder nur wenige Chancen hatten, einen Kredit von der Bank zu bekommen. Beim Crowdlending ist die Bonität der Antragsteller in den meisten Fällen geringer, als bei herkömmlichen Bankkrediten.

Zu dem Kreis der Privatpersonen zählen Berufstätige Personen, Rentner, Studenten, Hausfrauen u.a.m. Die Kredite werden z.B. aufgenommen, um:

  • Möbel anzuschaffen (neue Küche, Schlafzimmer, Wohnzimmer)
  • Umzüge durchzuführen
  • die Wohnung zu renovieren
  • ein Auto anzuschaffen
  • das Konto auszugleichen
  • eine Reise zu finanzieren
  • eine Existenzgründung zu finanzieren
  • das Studium zu finanzieren

Bei der Vergabe von Krediten an Privatpersonen handelt es sich meist um Mikrokredite im drei- oder vierstelligen Bereich. Das Darlehen wird mit dem festgelegten Zinssatz vergeben und über die Laufzeit mit den vereinbarten Raten zurückgezahlt. Um das Risiko der Kreditausfälle gering zu halten, wird er Kreditantrag von Personen mit einer geringen Bonität abgelehnt.

Crowdlending für Selbständige und Freiberufler

Im Gegensatz zu den Privatpersonen, die in den meisten Fällen Dinge des täglichen Lebens mit einem Kredit finanzieren möchten, geht es bei den Selbständigen um

  • eine Existenzgründung
  • Investitionen im IT Bereich
  • Vorfinanzierung von Aufträgen
  • oder die Überbrückung von finanziellen Engpässen

Crowdlending ist bei Selbständigen, Freiberuflern und Existenzgründern besonders beliebt. Es bietet ihnen die Möglichkeit, unabhängig von einer Bank einen Kredit aufzunehmen.

Crowdlending für Unternehmen

Jedes Unternehmen benötig für die Abwicklung Ihrer Geschäfte finanzielle Mittel. Normalerweise kann ein Unternehmen das in einem etablierten Markt aktiv ist, die finanziellen Mittel selbst aufbringen. Der Bedarf an zusätzlichen finanziellen Mittel entsteht dann, wenn

  • das Unternehmen in einem wachsenden Markt seine Marktanteile behalten möchte
  • neue Produkte benötigt werden, um die Nachfrage zu bedienen
  • konjunkturelle Schwankungen auftreten
  • große Kunden ihre Aufträge stornieren

Der Bedarf an finanziellen Mitteln kann über einen Bankkredit oder über das Crowdlending gedeckt werden. Banken tun sich manchmal schwer mit den Kreditentscheidungen. Im schlechtesten Fall können sich die Kreditverhandlungen über mehrere Wochen hinziehen. Außerdem ist die Risikobereitschaft der Banken nicht besonders hoch. Die Banken sind immer weniger bereit, unbesicherte Kredite für KMU zu vergeben. Daher bietet sich für viele KMU das Crowdlending als Alternative an.

Unternehmenskredite werden aufgenommen, um damit:

  • neue Produkte zu entwickeln
  • neue Märkte zu erschließen
  • Messauftritte zu finanzieren
  • Warenlager zu finanzieren
  • Kundenaufträge zu finanzieren
  • Liquiditätslücken zu decken
  • bestehende Unternehmen zu kaufen
  • bestehende Kredite abzulösen oder umzuschulden

Bei den Plattformen für das Crowdlending fällt die Entscheidung sehr schnell. Meist liegt die Entscheidung für eine Kreditvergabe innerhalb von 48 Stunden vor. Die Onlineformulare für den Kreditantrag sind einfach aufgebaut und sehr schnell auszufüllen. Ein besonderes Augenmerk sollte der Antragsteller auf die Beschreibung seines Vorhabens richten. Die zu zahlenden Zinsen für Unternehmenskredite können im Bereich zwischen 3% und 15% liegen. Die Zinsen werden in Abhängigkeit von der jeweiligen Risikoklasse, der Kredithöhe und der Laufzeit festgelegt.

Die Investoren möchten auch ein Teil des Projektes sein, das sie mitfinanzieren. Dahinter steckt unter anderem das positive Gefühl, an dem Projekt unternehmerisch mitzuwirken. Unternehmer sollten jedoch bereits in den „guten Zeiten“ mit der Finanzierung über die Crowdlending Plattformen beginnen. Wenn die Geschäfte schlecht laufen und sie erst dann mit der Kreditaufnahme auf den Crowdlending Plattformen beginnen, dann tun sie sich schwer, die Investoren für eine Kreditvergabe zu begeistern. Deshalb ist es sinnvoll, die Beziehung zu den potentiellen Investoren langfristig aufzubauen. Der Aufbau einer eigenen Investoren Community kann dazu genutzt werden, um Kunden und Geldgeber für Folgeprojekte zu gewinnen.

Crowdlending eine neue Art Geld anzulegen

Für Geldanleger bietet sich die Chance im Rahmen des Crowdlending in Kredite von Privatpersonen, Unternehmen und Vereine anzulegen. Die dabei zu erzielenden Renditen sind Im Vergleich zu den Zinsen für Spareinlagen oder fest verzinsliche Wertpapiere wesentlich höher. Allerdings ist diese Form der Geldanlage mit einem erhöhten Risiko verbunden. Die Anleger sind gut beraten, wenn sie Ihre Anlage auf mehrere Kredite verteilen und nicht alles auf eine Karte setzen.

Den Berichten im Internet zu Folge, liegt die Rendite der Anleger im Schnitt bei über 6%. Die Ausfallrate der Kredite liegt bei ca. 3%. Die Gebühren für die Investition ins Crowdlending sind zudem wesentlich niedriger, als die Gebühren, die die Banken für Geldanlagen verlangen.

Die Höhe der zu erwartenden Rendite ist sicher der wichtigste Punkt, warum Anleger ihr Geld im Crowdlending investieren. Sie schätzen allerdings auch, dass sie einen persönlichen Bezug zu den Projekten der Kreditnehmer bekommen. Dahinter steckt sicher auch das positive Gefühl, dass sie anderen Menschen bei der Realisierung ihrer Träume weitergeholfen haben.

Plattformbetreiber für Crowdlending im Internet

Mitte 2018 haben wir eine Suche nach Plattformen für crowdbasierte Verfahren durchgeführt (*2). Das Ergebnis haben wir in der folgenden Tabelle zusammengestellt:

crowdbasierende VerfahrenDeutschlandÖsterreichSchweiz
klassisches Crowdfunding3495
Crowdinvest56151
Crowdlending312

Es ist davon auszugehen, dass die Anzahl der verfügbaren Plattformen steigen wird.

Bei näherer Betrachtung der Ergebnisse sieht man, dass nicht

  • jede Plattform alle crowdbasierten Verfahren anbietet. Einige der existierenden Plattformen haben sich auf ein Verfahren spezialisiert.
  • alle Anbieter in Deutschland, Österreich und der Schweiz vertreten sind.
  • jede Kundengruppe im Fokus der Plattform ist. Es gibt Plattformen, die gezielt nur Unternehmen, Mittelstand und Start-Up ansprechen.

Eine weitere Spezialisierung findet bei der Art der unterstützten Projekte statt. Es gibt unter anderem Plattformen für:

  • Projekte von Künstlern
  • Sportprojekte
  • Existenzgründer (Start-Up)
  • Immobilienprojekte
  • Umweltprojekte
  • Energieprojekte
  • Projekte im Gesundheitsbereich

um nur einige zu nennen

Zu den Unternehmen, die im Bereich des Crowdlending häufig genannt werden und die eine rege Präsenz in Presseberichten einnehmen, gehören:

  • auxmoney
  • Crowd4cash
  • crosslend
  • evercrowd
  • Finnest
  • Finding Circle
  • Giromatch
  • kapilendo
  • mintos
  • Smava
  • swisspeers

Crowdlending – vom Antrag bis zur Auszahlung

Die Beantragung eines Kredites bei einer Crowdlending Plattform ist ganz einfach. Sie suchen sich ein Portal aus, das Ihnen bekannt ist, oder das Ihnen empfohlen wurde.

  • Als erstes müssen Sie sich in dem Portal anmelden. Nachdem Sie Ihre Adresse bestätigt haben können Sie mit der Eingabe des Kreditantrages beginnen.
  • Nach Eingabe der geforderten Daten, zu denen auch die Beschreibung Ihres Vorhabens gehört, wird in einem teilautomatisierten Verfahren die Bonitätsprüfung durchgeführt. Das Ergebnis der Bonitätsprüfung, mit der Einstufung in eine Risikoklasse, sollte innerhalb von 48 Stunden vorliegen.
  • Fällt die Prüfung des Kreditantrages positiv aus, dann wird die Crowdlending Kampagne gestartet.
  • Innerhalb eines festgelegten Zeitraums können die Investoren sich mit einem bestimmten Betrag an dem Kredit beteiligen.
  • Wird der beantragte Kreditbetrag vollständig durch die Investoren erbracht, dann wird der Kredit an Sie ausbezahlt.
  • Die Investoren zahlen Ihren Betrag auf ein festgelegtes Konto einer Partnerbank des Plattformbetreibers ein. Der Kreditbetrag wird über die Partnerbank an den Kreditnehmer ausbezahlt. Die Kreditraten werden ebenfalls bei der Partnerbank eingezahlt und an die Investoren verteilt.
  • Gerät der Kreditnehmer mit seinen Raten in Rückstand, dann wird der Plattformbetreiber Maßnahmen ergreifen, um die rückständigen Raten wieder einzutreiben.

Weder der Plattformbetreiber, noch die Bank haften für einen Kreditausfall.

Hat jeder eine Kreditchance?

Im Prinzip hat jeder Antragsteller eine Chance, einen Kredit zu bekommen. Die Privatkredite liegen meist im 3-4stelligen Bereich. Ein Antragsteller mit schlechter Bonität hat sicher keine guten Chancen einen Kredit im oberen 4stelligen Bereich zu bekommen. Im unteren 3stelligen Bereich gibt es sicher den einen oder anderen Investor, der dieses Risiko eingeht.

Das Gebührensystem beim Crowdlending

Der größte Teil der Arbeit bei dem Crowdlending wird von dem Plattformbetreiber verrichtet. Er stellt die IT-Technik, die Programme und die Experten zur Verfügung. Dafür verlangt er von Anlegern einen Kostenbeitrag. Dieser liegt bei ca. 3% bis 10% der nominalen Kreditsumme.

Rechtliche Grundlagen für das Crowdfunding

Rein rechtlich sind an dem Crowdlending drei Akteure beteiligt: der Investor, der Kreditnehmer (Unternehmen oder Privatperson) und die vermittelnde Plattform.

Der Investor schließt einen Darlehensvertrag mit dem Kreditnehmer, der entweder festverzinslich ist (Crowdlending) oder einen Gewinnanteil enthält (Crowdinvesting).

Die Plattformen und die Unternehmen als Kreditnehmer sind einer Reihe von staatlichen Vorschriften unterworfen. Diese Vorschriften werden von dem Bundesamt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFIN) festgelegt. Zu den rechtlichen Rahmenbedingungen gehören das:

  • Kreditwesengesetz (KWG)
  • Vermögensanlagegesetzt
  • Wertpapierhandelsgesetz
  • Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz (ZAG)
  • Kapitalanlagegesetzbuch

sowie allgemeine Vorschriften wie die

  • Gewerbeordnung
  • Telemediengesetz
  • Datenschutzgrundverordnung

Die meisten der aufgeführten Gesetze sind lange vor der Einführung des Crowdlending entstanden. Deswegen ist die Anwendung der vorhandenen Gesetzestexte auf das Crowdlending nicht immer klar. Es hängt von der Ausgestaltung der Plattformen ab, welche aufsichtsrechtlichen Vorschriften beim Crowdlending zu beachten sind.

FAQ

Wie sicher ist das Crowdlending für den Kapitalgeber?

Kredite, die über das Crowdlending vergeben werden, gehören oft zu einer Risikoklasse, bei der etablierte Banken eine Kreditvergabe ablehnen würden. Als Gegenleistung für dieses Risiko bekommt der Anleger einen höheren Zinssatz für den Kredit. Durch die Verteilung seiner Investition auf mehrere Kredite mit unterschiedlichen Risikoklassen, kann das Kreditausfallrisiko minimiert werden. Die Betreiber der Crowdlending Plattformen geben an, dass etwa 3% der vergebenen Kredite ganz oder teilweise ausfallen.

Welche Rolle spielt die Schufa im Crowdlending?

Die Betreiber der Plattformen verfügen über eine Reihe von automatisierten Prozessen, um das Risiko einer Kreditvergabe zu prüfen. Dazu gehört auch die automatisierte Abfrage der Schufa. Der große Vorteil bei der Nutzung der Crowdlending-Verfahren liegt darin, dass dem Antragsteller sehr schnell mitgeteilt wird, ob er einen Kredit bekommen kann. Gegenüber den Anlegern ist man verpflichtet, aller Faktoren zu berücksichtigen, die zu einer objektiven Bewertung des Kreditantrages führen.

Fazit

Das Crowdlending hat sich als eigenständiges Verfahren etabliert. Es bietet Privatpersonen, klein- und mittelständigen Unternehmen (KMU), Selbständigen und Freiberuflern eine interessante Alternative zu dem herkömmlichen Bankkredit.

Gerade für Kreditnehmer, die einen unbesicherten Kredit beantragen, ist das Crowdlending eine Chance, einen Kredit aufzunehmen. Das Risiko, das die Investoren dabei eingehen, wird durch einen entsprechend höheren Zinssatz ausgeglichen.

Die Entscheidung, ob ein Kredit vergeben werden kann, wird normalerweise innerhalb von 48 Stunden getroffen. Bei der Kreditvergabe durch eine Bank kann sich die Entscheidung über mehrere Wochen hinziehen.

Unternehmen, die das Crowdlending nutzen, sollten in „guten Zeiten“ damit beginnen, ein Vertrauensverhältnis zu den potentiellen Investoren aufbauen.

Für Anleger eröffnen sich in den Zeiten, in denen niedrige Zinsen für Geldanlagen gezahlt werden, neue Renditechancen.

Quelleangaben:

(*1) https://www.bafin.de/DE/Aufsicht/FinTech/Crowdfunding/Crowdlending/crowdlending_node.html

(*2) https://www.crowdfunding.de/plattform-suche